30.000 Euro für Gutshaus

Das verfallene Gutshaus in Heißum, in dem der Architekt Leo von Klenze seine Jugend verbrachte, wird gesichert: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz stellt 30.000 Euro für Fachwerk und Dach bereit. Das berichtete Dr. Hermann Neumann am Freitagabend bei einem Vortrag im Klenze-Haus in Schladen. Vierzig Gäste waren der Einladung des Fördervereins Leo von Klenze Museum e. V. gefolgt.
Den 70-Jährigen begleitet Klenze schon seit seiner Kindheit. Neumann wuchs in Kelheim auf, wo Klenzes monumentale Befreiungshalle steht. Später beschäftigte er sich ein ganzes Berufsleben lang mit dem Baumeister, als Hauptkonservator der Bayerischen Schlösserverwaltung in München.
40 Gäste wollten hören, ob es für das Gutshaus in Heißum ein Happy End gibt.Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Jochen Buchholz führte Neumann mit seiner Präsentation in die geschichtlichen Zusammenhänge ein: zwischen dem Fürstbischof von Hildesheim, den Wittelsbachern aus Bayern und der Familie Klenze. Mehrere Mitglieder dieser Familie aus fünf Generationen waren für das Fürstbistum als Amtsschreiber oder Amtmann tätig. Darunter war auch Leos Vater Gotthelf Friedrich Klenze, Amtmann der bischöflichen Domäne in Schladen.
Während das Haus am Damm gebaut wurde, wohnte die Familie in einem Forsthaus auf dem Buchladen bei Schladen. Dort kam am 28. Februar 1784 der kleine Leopold zur Welt. Noch im selben Jahr zog die Familie in das neue Haus, wo sie bis 1791 wohnte.
Eine weitere Lebensstation war Heißum, erklärte Neumann. 1791 wurde der Vater Amtmann von Liebenburg. Die Familie zog daraufhin in das Gutshaus in Heißum, das sie von der Großmutter Dorothea Magdalena Majus geerbt hatte. Der damals siebenjährige Leo wuchs hier zu einem jungen Mann heran. Er habe in Heißum gewiss Prägungen erfahren, die ihn sein langes Leben begleitet hätten, sagte Neumann. Mit dem Eintritt in das Collegium Carolinum in Braunschweig endete Leos Heißumer Zeit. Den Kontakt zur Familie und in den Nordharz habe er aber sicher gehalten.
Später führten ihn seine Studien nach Berlin und Paris. Ab 1816 baute er im Dienst des bayerischen Kronprinzen Ludwig erste Museen in München: die Glyptothek und später die sogenannte Alte Pinakothek. Als Ludwig 1825 den Thron bestieg, wurde der monumentale Ausbau der Münchner Residenz zu Klenzes Meisterwerk. Es folgten städtebauliche Projekte wie der Odeonsplatz und die Ludwigstraße. Damit habe Klenze die Provinzstadt zur Residenzstadt ausgebaut. Dafür sei man ihm in München bis heute dankbar, bekräftigte Neumann.
Besonders hob er den Bau der Neuen Eremitage in St. Petersburg (1839 bis 1852) hervor. Ihr Portal zieren die Atlanten, die Klenze in jungen Jahren auf Sizilien gezeichnet hatte. Dazu las Neumann einen Abschnitt aus Klenzes Tagebuch vor. Darin beschreibt Klenze einen Besuch mit seinem Sohn in St. Petersburg. Gerade erst nach langer Reise angekommen, beobachtete er unerkannt aus dem Hintergrund der Menge den Einzug des Zaren. Doch der Zar erspähte ihn, schritt durch die Menge direkt auf ihn zu und begrüßte ihn herzlich. Das beeindruckte die Umstehenden sehr und ebnete Klenze den Weg für seine Aufträge in St. Petersburg.
Auch als Diplomat, Leiter der Obersten Baubehörde, Maler und Architekturtheoretiker machte sich Klenze einen Namen. 1833 wurde er mit dem erblichen Adel ausgezeichnet. 1863 vollendete er das bedeutendste Nationaldenkmal Ludwigs I., die Befreiungshalle bei Kelheim. Schon zuvor hatte er mit der Walhalla bei Donaustauf und der Münchner Ruhmeshalle Symbolbauten des Landes geschaffen. Damit gehört Leo von Klenze neben Karl Friedrich Schinkel zu den bedeutendsten deutschen Architekten des 19. Jahrhunderts.
Ansicht des Gutshauses um circa 1900.Das Heißumer Gutshaus kam später in andere Hände. 1902 ließ Baron von Kronenfeldt es vom Hildesheimer Architekten Ferdinand Bleckmann herrichten. Das Haus wurde verputzt und bekam einen Anbau zur Straße hin. 1949 übernahm der Landkreis Goslar das Anwesen. Er ließ den Putz wieder abschlagen und das Fachwerk ersetzen, das darunter gelitten hatte. Dann wurde das Haus in viele einfache Wohnungen für Flüchtlinge aufgeteilt.
1980 erwarb der Unternehmer Georg Schlösser das Haus. Er ließ es mit denkmalgerechten Fenstern und sanitären Anlagen zu größeren Wohneinheiten umbauen. 1996 erbte Monika Walter das Haus und versuchte, es weiter zu erhalten. Aus familiären Gründen konnte sie sich aber nicht mehr ausreichend darum kümmern.
Nach 2008 zogen die letzten Mietparteien aus. Seitdem steht das Gebäude leer. Trotz der Bemühungen der Besitzerin verfiel das Gutshaus immer mehr und wurde zum „Lost Place“. Immer wieder kam es zu Einbrüchen. Angebrannte Pizzakartons und Wäsche zeigten, dass es dabei beinahe zur Katastrophe gekommen wäre. Obwohl das Haus direkt an der Ortsdurchfahrt steht, war es viele Jahre kaum zu sehen, denn der einst parkähnliche Garten ist verwildert. Die Hoffnung für das Denkmal kehrte erst mit Hermann Neumann zurück.
Als er 2020 Kontakt mit dem Schladener Förderverein aufnahm, kam er zum ersten Mal nach Heißum. Der Anblick des einstigen Wohnhauses der Familie Klenze schmerzte ihn. Seit 2024 widmet er sich der Rettung des Gutshauses. Er suchte den Kontakt zur Besitzerin und entrümpelte dann allein in unzähligen Stunden das ganze Haus. Gemeinsam mit der Leo-von-Klenze-Museum-Stiftung wurde der Müll größtenteils entsorgt und der Wildwuchs um das Haus gelichtet.
Neumann dokumentierte den Zustand mit Fotos: erst die vermüllten Räume, später den besenreinen Zustand. Auch die Schäden durch das undichte Dach hielt er fest, um bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Fördergeld zu beantragen. Kleinere Schäden am Dach behob er bereits selbst, mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln. Ein wichtiger Baustein war zudem, das Gebäude gegen unbefugtes Betreten zu sichern.
Diese Maßnahmen und Fortschritte überzeugten die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Sie stellt 30.000 Euro bereit, um das Fachwerk dauerhaft zu stabilisieren und das Dach komplett abzudichten. Diesen Erfolg verkündete Neumann jetzt mit großer Freude. Er zeigte auch Fotos von den Arbeiten, die gerade in vollem Gange sind und in Kürze abgeschlossen sein sollen. Für sein ehrenamtliches Engagement bekam Neumann viel Applaus.
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