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Der Hase des Unheils

Veröffentlicht am | Von Frank Schildener
Tobias Wagner spricht über den Hasen des Unheils. Foto: Frank Schildener

Tobi Wagner kennen die Menschen hierzulande für seine Comics, seine Fotoprojekte und seine frühere Arbeit als Lokaljournalist im Landkreis Wolfenbüttel. Jetzt hat er einen Roman geschrieben. Seinen ersten. Im Gespräch mit dem Wolfenbüttel Magazin erzählt er exklusiv von seinem Buchprojekt.

Wir treffen uns in einem Café in Wolfenbüttels Innenstadt, um über den Hasen der Angst, wie sein Romanerstling heißt, zu sprechen. „Ich erzähle die Geschichte von Jonas, der mit seiner personifizierten Angst in Gestalt des Hasen Furchtmar zusammenlebt“, beginnt Wagner, über seinen Roman zu sprechen. Der Hase warnt vor jeder Gefahr und macht aus Kleinigkeiten Katastrophen.

Viele Menschen kennen Wagner über seine Geschichtscomics und Illustrationen. Wie ist die Idee entstanden, einen Roman zu schreiben? „Ich erzähle seit vielen Jahren Geschichten in Bildern“, erklärt er. „Beim Roman muss ich die Bilder in Sprache bekommen. Das war ein sehr spannender Prozess.“

Der Comiczeichner färbe dabei durchaus auf den Romanautor ab. Er denke sehr stark in Szenen und Dialogen. Figuren müssen für ihn eine klare Persönlichkeit haben. Diese Art des Erzählens stamme aus dem Comic und präge auch sein Schreiben. Durch die Romanform entsteht eine andere Form von Nähe und Unmittelbarkeit, als im bilddominierten Comic. Ganz auf die wagnertypischen Comicfiguren müssen Leser:innen des Buches übrigens nicht verzichten: Einige Illustrationen gibt es im Buch. Sie zeigen den Angsthasen Furchtmar.

Nun ist Angst kein leichtes Thema. Dennoch taucht es immer wieder nicht nur in Ratgebern, sondern auch in Romanen auf. An dieser Stelle sei vor allem an die Krimireihe „Sörensen hat Angst“ von Sven Stricker erinnert. Sörensen ist ein von einer Angststörung getriebener Polizist. Im Hasen des Unheils begegnet dem Leser ein Jonas. Im Klappentext des Buches heißt es, er traue sich wenig zu, vor allem seit dieser Hase in seinem Kopf wohne. Warum ein Hase und warum das Thema Angst?

Viele Menschen plagen sich mit dem Thema. Es sei immer wieder in Gesprächen aufgetaucht und da gewesen, erzählt Wagner. „Ein Hase wirkt gleichzeitig klein und übermäßig wachsam. Genau das passt zur Angst“, sagt er. „Angst ist oft unscheinbar, aber ständig präsent. Durch die Figur wird sie sichtbar und dialogfähig. Gleichzeitig sollte Furchtmar nie übermächtig wirken, sondern auch etwas Menschliches und Komisches haben“, erklärt er. Der Name des Hasen sei eigentlich etwas zu groß für einen ängstlichen Hasen. „Genau dieser Widerspruch gefällt mir. Er wirkt dramatisch, fast heldenhaft, beschreibt aber letztendlich eine Figur, die ständig und vor allem Angst hat“, so Wagner. Angst übertreibe, male Schreckensszenarien. Die Figur mache diese Gedanken sichtbar. In Gestalt des Hasen wirkt das überzogen. „Angst funktioniert genauso“, sagt Wagner. Der durchgängige Humor des Buches schaffe Distanz. „Wenn wir über ein Thema lachen können, verliert es einen Teil seiner Macht“, erklärt der Autor. Ein Ratgeber will das wunderbar geschriebene Buch dabei bewusst nicht sein. „Ich wollte keine Lösungen vorgeben“, berichtet Wagner. Vorrangig gehe es um das Gefühl der Angst, wie sie sich anfühlt und wie Jonas lernt, damit umzugehen.

Das Buch enthält das Vorwort eines Arztes. „Prof. Dr. Volker Busch ordnet die Geschichte ein und zeigt, dass Humor und mentale Gesundheit kein Widerspruch sein müssen. Es unterstreicht den Gedanken, dass Geschichten schwierige Themen manchmal zugänglicher machen können“, erzählt Wagner.

Ein Jahr habe er an dem Buch geschrieben. Sein Arbeitsablauf habe sich gegenüber dem Comiczeichnen deutlich verändert. „Ich habe passende Musik zum Schreiben gehört und nicht im Atelier geschrieben“, berichtet er. Meist sei er zum Arbeiten am Roman im heimischen Wohnzimmer gelandet. Am schwierigsten sei es gewesen, die Charaktere des Buches stimmig zu gestalten. Viele handschriftliche und digitale Notizen hätten dabei geholfen. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag und Lektorat sei sehr positiv gewesen.

Allzu viel sei an dieser Stelle über das „Abenteuer“ von Jonas Lampe und dem Hasen Furchtmar nicht verraten. Nur so viel: Der Hase des Unheils ist einfühlsam, tiefsinnig und klar geschrieben. Es lässt die Leserschaft schmunzeln, ohne sich über Ängste lustig zu machen. Eine wunderbare Lektüre, an der Jung und Alt gleichermaßen ihre Freude haben werden. Und ganz en passant mag es helfen, andere Menschen besser zu verstehen oder mit etwas mehr Abstand auf die eigenen Ängste zu blicken. Eine klare Leseempfehlung.

Der Hase des Unheils CoverDas Buch erscheint am 1. September im Ovis-Verlag und kostet 18 Euro. Am Donnerstag, 3. September, stellt Tobi Wagner in der Buchhandlung Behr den Hasen des Unheils vor. Gäste erwartet eine Kombination aus Live-Zeichnen, Lesen und Informationen über das Entstehen des Buches. Der Eintritt kostet 10 Euro. Beginn ist 19.30 Uhr. Karten gibt es in der Buchhandlung.

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