Kunstverein zeigt Tod und Sucht
Eine Ausstellung voller überraschender Momente eröffnet der Wolfenbütteler Kunstverein am Sonntag. Gezeigt wird „Tod und Sucht mit Patricia Isabell Martsch“.
Drei Räume. Wildbunte Widersprüche. Brüche mit Konventionen. Videoinstallationen, große Plüschfiguren. Gegensätzliche Collagen an Wänden und teils auf den Fußböden. Räume, die das Vertraute mit Sucht und Tod konfrontieren. Dazwischen Patricia Isabell Martsch, bunt geschminkt, in einem rosa Kleid, das Haar geschmückt mit Hexennase, Lockenwicklern, eine ebenfalls rosa Blume. Etwas schrill ist das, eine Rolle, die sich ebenso dem Absurden hingibt, wie ihre raumgreifenden Installationen.
Institutionen töten das innere Kind
Gleich im Eingang zur Ausstellung schreiten Besucher:innen über das kaum wahrzunehmende dunkeldüstere Bild eines in Blut gebadeten Babys. Beim Pressegespräch heute Mittag fällt es erst auf, als Martsch darauf hinweist. „Im ersten Raum finden sich Institutionen“, sagt sie. Ehe, Schule, Kirche, alles Digitalisierte. „Das innere Kind wird in den Institutionen getötet“, erklärt sie.
Süchte als Beziehungsersatz?
„Der Gedanke ist, woran hält man sich fest, wenn ein Mangel existiert, oder in welche ungesunden Abgründe begibt man sich. An welche Dinge hängt man sich? Süchte sind immer auch Beziehungsersatz, die riesige Angst, keine Liebe oder Anerkennung zu finden“, erzählt Martsch. Vieles persönliche habe sie zu verstecken versucht und doch findet es sich in der Ausstellung.
Martsch entwirft dystopische Collagen
Ihre Arbeiten thematisieren Gegensätze in einer mitunter überraschenden, oft brutalen, zunächst verborgenen Deutlichkeit, die Künstlerin an einigen Stellen selbst unangenehm scheint. Vermeintlich vertraute und zunächst unscheinbar wirkende Kulissen Betrachtung als Orte der Gewalt. In den insgesamt drei Ausstellungsräumen explodieren Videoinstallationen, Farben, Plastisches, Photoshoparbeiten und Malerei in einer dystopischen Collage. Sie laden die Besucher:innen dazu ein, nach dem Betrachten des Ganzen näherzutreten und Details zu entdecken.
Performance zur Eröffnung
Zeitgenössisches sei heute oft allzu glatt gezogen, komme ohne Reibungsflächen daher, sagt Kunstverein-Geschäftsführerin Stine Hollmann. Die Ausstellung von Martsch bietet mehr als genug Reibungsflächen. Und weckt bereits vor Eröffnung großes Interesse. „Die Menschen schauen durch die großen Fenster und sehen die Installationen. Einige kommen herein, fragen und nehmen Einladungskarten mit“, berichtet sie.
Martsch (Jg. 1995) ist HBK-Absolventin (2022). Zusammen mit dem Schauspieler und Regisseur Felix Maria Zeppenfeld führt sie zur Eröffnung performativ in die Ausstellung ein. Die Ausstellung beim Kunstverein ist ihre erste große.
Die Eröffnung ist am Sonntag, 22. Januar, um 11.30 Uhr, im Kunstverein Wolfenbüttel, Reichsstraße 1, 38300 Wolfenbüttel
Termine im Rahmen der Ausstellung:
Eröffnung: Sonntag, den 22. Januar 2023 um 11.30 Uhr. Begrüßung: Günther Langer, 1. Vorsitzender Kunstverein Wolfenbüttel. Performative Einführung: Felix Maria Zeppenfeld (Schauspieler, Regisseur, Hamburg) und Patricia Martsch.
Öffentliche Führungen: Donnerstag, 2. Februar 2023, 17.30 Uhr, Donnerstag, 2. März 2023, 17.30 Uhr
Generationsübergreifender Workshop: Samstag, den 4. März 2023 um 13 - 16 Uhr im Kunstverein Wolfenbüttel, Reichsstraße 1, 38300 Wolfenbüttel. Anmeldung unter:
Gespräch zum Ende der Ausstellung: 19. März 2023, um 11:30 Uhr, Paula Schwerdtfeger (Kunsthistorikerin, Hannover) im Gespräch mit Patricia Martsch.
Der Besuch der Veranstaltungen ist für alle kostenlos. Laufzeit der Ausstellung: 22. Januar bis 19. März 2023
Öffnungszeiten: Mi bis Fr 16 - 18 Uhr, Sa/So 11 - 13 Uhr und nach Vereinbarung. Führungen auf Anfrage.
Der Kunstverein im Internet: www.kunstverein-wf.de
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