„Ego Michael Praetorius subscribo“: HAB erwirbt Autograph von Michael Praetorius

Ein bedeutendes Stück Musik- und Regionalgeschichte kehrt nach Wolfenbüttel zurück: Die Herzog August Bibliothek (HAB) konnte dank eines entscheidenden Hinweises aus der Bevölkerung ein einzigartiges, vom Hofkapellmeister eigenhändig unterzeichnetes Dokument erwerben.
Es handelt sich um ein Exemplar der Wolfenbütteler Kirchenordnung von 1569, das den eigenhändigen Amtseid von Michael Praetorius (1571–1621) enthält. Nach einer raschen internen Prüfung und Bestätigung der Authentizität des Dokuments, entschied sich die HAB innerhalb von nur anderthalb Stunden für den Ankauf, um dieses kostbare Stück für die Nachwelt zu sichern.
Michael Praetorius, der um 1600 in Wolfenbüttel Musikgeschichte schrieb, wurde zunächst als Organist und später als Hofkapellmeister von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg berufen. Seine Arbeit legte den Grundstein für die evangelische Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts und beeinflusste die Musik in Europa maßgeblich. Obwohl Praetorius' musikalisches Werk gut dokumentiert ist, sind autographe Dokumente von ihm – Briefe, Eingaben, Stammbucheinträge u. Ä. – selten.
Wolfenbütteler Kirchenordnung des Herzogs Julius von Braunschweig-Lüneburg von 1569.
Umso spektakulärer ist die Neuerwerbung der Wolfenbütteler Kirchenordnung des Herzogs Julius von Braunschweig-Lüneburg von 1569 mit dem eigenhändigen Eintrag des Amtseides von Michael Praetorius aus dem Jahr 1604. Herzog Julius führte nach seinem Regierungsantritt 1568 die Reformation im Fürstentum ein, was mit der Veröffentlichung der Kirchenordnung offiziell vollzogen wurde. In erster Linie die geistlichen Amtsträger waren verpflichtet, einen Eid auf das hier niedergelegte Bekenntnis abzulegen. Dass auch Michael Praetorius dieses Gelöbnis in der Kirchenordnung abgab, betont seine herausragende Stellung am Hof von Heinrich Julius und seiner Gattin Elisabeth.
Der Eintrag von Michael Praetorius. Im Wortlaut: „In hanc Illustrissimi Principis nostri sententiam ego Michael Praetorius huic Corpori Doctrinae & declarationi in thesi & antithesi corde & manu volens praemeditate subscribo; signatum Wulffenb. 10 die Decemb. Ao. 1604“ (Dem Ansinnen unseres erlauchten Fürsten zufolge unterschreibe ich Michael Praetorius die Gesamtheit der Glaubenslehren und deren Erklärung in These und Antithese freien Herzens und Willens und mit Bedacht, gezeichnet Wolfenbüttel, den 10. Dezember 1604)
Nun wird die Kirchenordnung zusammen mit anderen seltenen Drucken der Frühen Neuzeit im Tresor der HAB aufbewahrt und der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung gestellt. Mit dieser spektakulären Neuerwerbung bewahrt die HAB nicht nur ein wertvolles historisches Dokument, sondern auch ein bedeutendes Zeugnis der regionalen und musikalischen Geschichte, das künftige Forschungen bereichern wird.
Mehr Informationen zu Leben und Werk des Hofkapellmeisters bietet die Dauerausstellung „Michael Praetorius – Musiker einer Zeitenwende“ in der Wolfenbütteler Hauptkirche Beatae Mariae Virginis.
Das Wolfenbüttel Magazin arbeitet unabhängig und frei von Konzerninteressen. Seine Inhalte liefert es für alle frei zugänglich und ohne Paywall auf www.wolfenbuettel-magazin.de. Aus Überzeugung. Das braucht Unterstützung. Damit die Redaktion weiter unabhängig berichten kann. Schon ab 10 Euro können Sie dabei sein.
Reden Sie mit!
Sie haben einen Vorschlag für eine schöne Kultur- oder Nachhaltigkeitsgeschichte? Dann nutzen Sie bitte unser Kontaktformular oder unseren sicheren Threema-Kanal. Herzlichen Dank!
Nutzungsbedingungen
Bericht